Der BewegungsCoach: Lotse an der Experten-/Patienten-Schnittstelle
Untersuchungen der letzten Jahre ergaben, dass eine multimodale Therapieführung bei vielen Erkrankungen das beste Behandlungsergebniss erzielt. Voraussetzungen für das Funktionieren eines solchen Behandlungskonzeptes ist eine individuell angepasste Therapieplanung und die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Spezialrichtungen in Diagnostik und Therapie sowie die aktive Mitarbeit und Umsetzung der Klienten. Im optimalen Falle sollen dabei stationäre und ambulante Versorgungsstrukturen eng miteinander verzahnt sein.
Als Lotse fungiert in diesen integrierten Versorgungsmodellen der Hausarzt oder für den Bereich des chronischen Rückenschmerzes der Hausarzt und der Orthopäde, die dann zum Teil an kasseneigene Rückenzentren verweisen. Doch die Umsetzungs- wie Erfolgsrealität der Versorgungskonzepte ist im allgemeinen derzeit eher als mager zu bewerten. Darauf weisen die Experten der Versorgungsforschung eindringlich hin.
Integrierte Versorgungsmodelle könnten erfolgreicher sein
Die durch integrierte Versorgungsmodelle eigentlich entstehende Innovationsschnittstelle, an der aus dem praktischen Tun heraus modellhaft neue Lösungsansätze enstehen könnten, wird durch knapp bemessene finanzielle und zeitliche Ressourcen, sowie ökonomische Eigeninteressen blockiert. Das System beschränkt sich selbst in seinen Möglichkeiten und lässt ev. konkurrierende Modelle und neue Therapieansätze nicht partizipieren.
Es versteht sich von selbst, dass ein offenes Fehlermanagement, das zur systemischen Weiterentwicklung unbedingt notwendig ist, in solchen Abhängigkeitsstrukturen nur zaghaft bis verdeckt realisiert wird (z.B. http://www.jeder-fehler-zaehlt.de).
Weiterhin gelangen aktuelle Forschungserkenntnisse zur Wirksamkeit von (Rücken)therapien nur unzulänglich in die tägliche Realität der Therapie.
Kein Wunder also, wenn sich zunehmend Unzufriedenheit und Frustration über knappe Ressourcen, nicht oder nur schleppend funktionierende Therapien sowohl auf Seiten der Experten als auch auf Seiten der Patienten entwickelt. Doch wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus, auch wenn sich die finanziellen und zeitlichen Ressourcen eher noch mehr verknappen? Wie kann sich das System (trotzdem) weiter entwickeln?
Lösungsansätze
Das Problem ist zu komplex, als es mit einem einzigen Schritt bewältigen zu können. Wesentlich scheint jedoch
1. die Zusammenarbeit der einzelnen Expertensysteme zu stärken. Dazu sind Anreizsysteme notwendig, die gute Therapie- und Präventionsansätze belohnen. 2. die Klienten selbst so zu stärken, dass sie noch mehr als bisher in die Lage versetzt werden, eine eigene Handlungs- und Entscheidungskompetenz zu erwerben sowie das Vertrauen in das medizinsch-therapeutische System zurück zu gewinnen.
Hier setzt das BewegungsCoaching an.
Bewegungsexperten mit Lotsen-Funktion an der Seite der Klienten
In Therapie und Prävention verschiedenster Erkrankungen ist das Medikament Bewegung heute ein zentrales Behandlungselement.
Dabei steht der Bewegungsexperte als Therapeut, Trainer und Coach gleichberechtigt neben dem Klienten. Er berät, begleitet und unterstützt Klienten wie Patienten. Oft vermittelt er Fachwissen, das den Einzelnen in die Lage versetzt, medizinische und therapeutische Interventionen und Zusammenhänge besser zu verstehen und schließlich auch umzusetzen. Der Bewegungsexperte kann also - bei entsprechender fachlicher Qualifikation - in erheblichem Maße die Hilfe zur Selbsthilfe und nicht zuletzt die Therapiecompliance der Betroffenen unterstützen.
Voraussetzungen für diesen Beruf
Voraussetzung für die beratende und begleitende Tätigkeit eines Bewegungsexperten mit Lotsen-Funktion ist eine Ausbildung, die wesentliche Eckpunkte aus Medizin und Therapie ebenso berücksichtigt wie die Kommunikation und Interaktion mit Klienten und Patienten in Einzel- und Gruppensettings berücksichtigt. Nicht zuletzt ist dabei das eigene Bewegungswissen und die eigenkörperliche Erfahrung im Umgang mit gesundheitsfördernder Bewegung und Bewegungssystemen unabdingbar.
Wichtige Eckpunkte der Ausbildung
1. vielschichtigen Bewegungs-, Trainings- und Selbstwahrnehmungserfahrungen des Bewegungsexperten | | 2. Studium im Bereich der gesundheitsorientierten Sport- und Bewegungswissenschaften | | 3. Kenntnisse über Salutogenese sowie integrative Ansätze der Rehabilitation und Prävention | | 4. Anthropologische Erkenntnisse über die „Modellbaureihe Mensch“ |
5. spezielle körperbildende Verfahren 6. Gute Informationsgestaltung, um Wissen über Medizin und Therapie an Patienten wie Klienten vermitteln zu können. |

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